Archäologische Erkundung der Templerkirche in Quartschen (Chwarszczany), Polen

OKM folgte mit Freude der Einladung des Geschichts- und Kulturvereins S.H.K. “Tempelburg” zu einem Zusammentreffen mit dem Magazin Odkrywca, dem Magazin Relikte der Geschichte und den Schatzsuchern des Youtube-Kanals Sondelsüchtig. Als Metalldetektoren-Hersteller aus Deutschland konnte OKM zukünftige archäologische Vorhaben im Rahmen des Projekts “Chwarszczany” (Słowianie Templariusze Projekt) mit 3D-Bodenmessungen bestärken. Die bisherigen Erkenntnisse zum Ausgrabungsort vom Experten Dr. Przemysław Kołosowski und was bei der aktuellen Erkundung detektiert und gefunden wurde, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Ordenskapelle in Chwarszczany: Südseite der Ordenskapelle mit Blick von oben auf die bereits ausgegrabenen Fundamente und die aktuelle Ausgrabungsstätte.
Projekt-Team Chwarszczany: Team von Archäologen gemeinsam mit Presse und OKM vor der Ausgrabungsstätte in Chwarszczany, Polen.

Hauptsitz der Tempelritter im Odergebiet im 13. Jahrhundert

Bereits von Weitem fällt das beeindruckende frühgotische Bauwerk mit seinen zwei schmalen Türmen auf. Diese erwecken zunächst den Anschein, es seien Wehrtürme einer Burg, tatsächlich handelt es sich um Stützpfeiler der Ordenskirche der Templer.

Die Kirche befindet sich in der Ortschaft Quartschen (Chwarszczany) an der Mietzel (Mysla) in Westpommern, Polen. Sie wurde auf den Fundamenten früherer Siedlungen errichtet und war Verwaltungszentrum (Komturei) der Tempelritter, diente also als Hauptsitz für Versammlungen, vermutlich auch als Aufbewahrungsort für Reliquien und Kostbarkeiten. Neben der Kapelle gehörten weitere Wirtschafts- und Wohngebäude zum Gut.

Ordenskapelle in Chwarszczany: Überblick über das Gelände mit Blick auf Brunnen (vorn rechts) und aktuelle Ausgrabungsstätte (Bildmitte).

Nach Auflösung des Templer-Ordens wurde das Gut im Jahr 1318 an den Johanniterorden übergeben. Diese gestalteten nicht nur den Innenraum der Kirche um, auch um die Kapelle wurden Gebäudeteile angebaut. Eines der Fundamente wurde 2004 bei archäologischen Ausgrabungen freigelegt.

Die bewegte Geschichte der Kapelle und des Ortes erzählt weiterhin von Auseinandersetzungen der Johanniter mit dem Deutschen Orden, von dem das Gut im 15. Jahrhundert eingenommen wurde. Nach Verlegung des Sitzes der Johanniter im Jahr 1540 wurde die Kapelle zur evangelischen Kirche, seit 1945 ist die ehemalige Ordenskapelle ein römisch-katholisches Gotteshaus.

Aktuelle und zukünftige archäologische Ausgrabungen

Erkundungen im Innen- und Außenbereich der Templerkirche

Bereits seit 2004 finden Ausgrabungen in und um die Kapelle statt. Das Team von Historikern und Archäologen erforscht unter anderem die Architektur der Kapelle, um ihre ursprüngliche Funktion weiter zu rekonstruieren.

Bodenmessung mit dem eXp 6000: Mit dem 3D-Bodenscanner lassen sich alte Fundamente sowie unterirdische Hohlräume wie beispielsweise Gewölbe und Gräber detektieren.
Aktuelle Ausgrabungsstätte: Freilegung der früheren Fundamente (Brennerei im 18. Jahrhundert, Bewirtschaftung im 13. bis 15. Jahrhundert) sowie Objekte früherer Besiedlung (Bronzezeit)

Hinweise auf frühere Besiedlung wie Tongefäßscherben, Eisennägel und weitere Ausgrabungsfunde, die sich u.a. auf Bronzezeit und Mittelalter datieren lassen, wurden bereits gefunden. Alte Mauerreste wurden ebenfalls freigelegt, weitere Strukturen liegen noch im Verborgenen, konnten aber mit den Bodenscannern von OKM detektiert werden.

Aktuelle archäologische Ausgrabung: Das abgesteckte Areal von 5 x 5 m wird bis zu 2 m Tiefe ausgehoben.
Aktuelle archäologische Ausgrabung: Gefundene Artefakte wie Tonscherben und Werkzeugteile deuten auf frühere Besiedlung (Bronzezeit) und Handel (Römisches Reich) hin.
Aktuelle archäologische Ausgrabung: Gefundene Tonscherben lassen sich aufgrund der Materialstärke, der zur Bearbeitung verwendeten Werkzeuge und der eingearbeiteten Strukturen und Muster in Zeitepochen einordnen.

Suche nach Tunnel zwischen Templerkirche und Brunnen

Bodenmessung mit dem Bodenradar: Das Gepard GPR unterstützt Archäologen bei der Suche nach Tunneln zwischen Templerkirche und benachbartem Brunnen.
Bodenmessung mit dem Bodenradar: Mit dem Gepard GPR lassen sich Tunnel zwischen Templerkirche und benachbartem Brunnen detektieren.

Mit dem Bodenradar Gepard GPR sowie dem 3D-Bodenscanner Rover C4 wurden Messungen auf der Südseite der Templerkapelle durchgeführt. Von beiden Geräten wurden Anomalien zwischen dem benachbarten Brunnen und den Überresten der Fundamente neben der Kirche lokalisiert und somit erste Spekulationen bestätigt.

Screenshot of GPR Measurement Data
2D-Scanergebnisse des GPR-Bodenscans: Erste Bodenuntersuchung zur Bestimmung der Position des vermuteten Tunnels
Screenshot of GPR Measurement Data
2D-Scan mit GPR: Zweiter Bodenscan zur Validierung der ersten Scandaten

Die Gepard GPR Messdaten zeigen eindeutige Anomalien in einer Tiefe von ca. 3,7 bis 6 m in lehmigem, sandigem Boden (Kreis). Die diagonalen Strukturen (unter dem Kreis) sind Reflexionen der Kapelle. Die Bodenradar-Technologie erfasst auch derartige Einflüsse von Gebäuden.

Mit dem Rover C4 wurden verschiedene Messungen durchgeführt. Der Bodenscanner wurde mit der vertikalen 100 cm Supersonde eingesetzt. Die Auswertung der Daten erfolgte über Tablet-PC mit der Software “Visualizer 3D”. Die Rover C4-Messungen neben der Kirche ergaben ebenfalls eine mögliche nichtmetallische Anomalie im Messbereich.

Screenshot of Rover C4 Measurement Data
Scan mit Rover C4: Kurze Messung neben der Kirche mit einer Länge von ca. 20m.
Screenshot of Rover C4 Measurement Data
Scan mit Rover C4: Längere Messung mit weiteren Messpunkten (Signalen) und einer Länge von ca. 35m.

Im Livescan mit dem Magnetometer-Modus des Rover C4 wurde die Ausdehnung der Stahlbetonkonstruktion am Brunnen gemessen. Diese Betonkonstruktion ist größer als der Eingang, der mit Betonplatten gesichert wurde, vermuten lässt.

Weitere Messungen und Untersuchungen werden zeigen, ob es sich bei dem Hohlraum um eine unterirdische Passage oder sogar um einen Fluchttunnel handelt.

Suche nach Krypta und Grab des Präzeptors

Unter der Kirche wird außerdem ein unterirdischer Raum wie bspw. eine Krypta oder ein Grab vermutet. Diese Vermutung konnte mit dem Rover C4 bestätigt werden: Mit der Funktion als Pinpointer mit LED-Orbit wurden Auffälligkeiten direkt angezeigt und begeisterten das Archäologen-Team.

Untergrundmessung in der Ordenskirche: Als Pinpointer mit LED-Orbit werden mit dem Rover C4 Hohlräume wie eine unterirdische Krypta oder Tunnelgänge direkt signalisiert.
Bodenmessung mit dem Rover C4: Die aufgezeichneten Messdaten zeigen die gefundene Anomalie am Laptop-Bildschirm.

Die Ausgrabungen im Inneren der Kirche wurden im Spätsommer fortgesetzt. Das Team von Archäologen legte im Gang und im Altarraum verschiedene Bodenstrukturen frei: Die alte Fußbodenheizung sowie gewölbeartige Gänge, die allerdings nicht auf die Templerzeit zurückzudatieren sind.

Photo of excavation site
Auf der Suche nach Tresoren und einer Krypta: Beginn der Ausgrabungen im Altarbereich der Templerkirche (C) S.H.K. "Tempelburg".
Photo of excavation site
Freigelegte Untergrundstrukturen: Bei den ersten Ausgrabungen wurde die Fußbodenheizung freigelegt. (C) S.H.K. "Tempelburg".
Photo of excavation site
Freiliegendes Gewölbe unter dem Altar: Die exponierten Untergrundstrukturen sind jünger als erwartet. (C) S.H.K. "Tempelburg".
Photo of excavation site
Auf der Suche nach der Krypta der Tempelritter: Weitere Ausgrabungen im Altarbereich der Templerkirche (C) S.H.K. "Tempelburg"

Ob die vermuteten alten Gewölbe überbaut wurden oder gar noch tiefer liegen, muss noch herausgefunden werden. Die Entdeckung einer Grabkammer oder gar Schatzkammer blieb bisher aus. OKM berichtet, sobald es neue Erkenntnisse aus der Templerkirche gibt.


S.H.K. „Tempelburg“

Der Geschichts- und Kulturverein S.H.K. Stowarzyszenie Historyczno Kulturalne “Tempelburg” ist eine Organisation, die sich für den Erhalt, die Pflege und den Schutz polnischen Kulturgutes, nationaler Traditionen sowie kulturellen Erbes und Bewusstseins einsetzt. Das Team aus Archäologen und Hobbyhistorikern verbindet die gemeinsame Leidenschaft für Geschichte.
tempelburg.pl

Spezialist Dr. Przemysław Kołosowski

Dr. Przemysław Kołosowski ist Archäologe und Autor von Fachartikeln zur Geschichte der Templer in Polen. Gemeinsam mit seinem Team bietet er archäologische Dienstleistungen wie Betreuung und Management von Grabungen an.
nadzorarcheo.pl